Funkstille...HELP!

Funkstille...HELP!

Ich blickte in seine verheissungsvollen blauen Augen und wartete... Tja, ich wartete und wartete, aber DAS Gefühl kam einfach nicht auf. Was war bloss los mit mir? SOS!

Ich stand vor einem attraktiven Mann und meine Reaktion war gleich Null. Da ging gar nichts. Unverständlich. Bei einem solchen Mann. Jede Frau hätte mir den Vogel gezeigt. Und da begann ich zu überlegen, woran das bloss liegen könnte. Er, Ivan, war eigentlich das, was man sich unter meinen Umständen nur wünschen konnte. Dieser Zustand war leicht erklärt – mein Hormonhaushalt hatte schon seit längerem Alarm geschlagen und wartete sehnlichst darauf sich auszutoben. Aber es geschah absolut gar nichts. Schlafmodus. Nix, nada. Totale Ebbe.

Ivan streichelte mir sanft die Wange und meinte: “Woran denkst du meine Kleine? Scheinst meilenweit weg zu sein...“ Man stelle sich vor, einen romantischen Abend zu zweit in einer Wohnung voller leuchtenden Kerzen, sanfte Musik im Hintergrund, wir sitzend auf der Couch und dann das: “Ach weißt du Ivan, ich möchte mit dir schlafen, weil ich ein Manko habe - aber ich fühle mich jetzt gerade ganz und gar nicht von dir angezogen...“

So ehrlich wollte ich auch nicht sein. Schliesslich hatte er sich nicht falsch verhalten. Im Gegenteil. Er hatte mir den Hof gemacht und mich richtig galant behandelt. Unsere Gespräche waren stets ehrlich und direkt. Das schätzte ich. Und aus purem Lustprinzip heraus hatten wir uns für ein kleines erotisches Intermezzo entschieden. Und nun sass er mir gegenüber. Es war uns beiden klar, was nun folgen würde. Ich dachte mir anfangs, dass dieses Verlangen nach Nähe und seinem Körper irgendwann in mir auflodern würde. Leider war ich da auf dem Holzweg, nichts regte sich. Und jetzt war es definitiv zu spät um umzukehren.

„Was ist denn los? Du bist ziemlich verkrampft, meine Süsse. Ich dachte dieser Abend sei für uns beide ein spontanes Treffen. Und die Würfel sind doch schon längst gefallen. Willst du ein wenig Champagner? Der könnte dich vielleicht etwas auflockern...“ Auflockern? Ich hätte mich besaufen müssen! Ich war nie verkrampft, geschweige nachdenklich, wenn ich Sex haben wollte. Ich vergass alles um mich herum und genoss jeden Augenblick. Das konnte doch einfach nicht wahr sein!
Spontan ist, wenn man nach Hause kommt und sich die Kleider vom Leib reisst, um sich dann der brennenden Begierde hinzugeben. Aber sicher nicht einen Abend, den wir schon zwei Wochen im vorausgeplant hatten. Aber auch das wäre doch sonst kein Problem gewesen. Ich begann zu grübeln und trank währenddessen zügig meinen Champagner. Es musste eine Antwort geben!
Seine Hände hielten meine Taille fest und wir standen inmitten des Raumes. Ich spürte, dass er nicht mehr lange warten wollte. Er begann mich küssend zu bearbeiten und ich musste mich beherrschen. Ausgerechnet jetzt hatte ich einen Anflug von Humor! Ein Freund hatte einst einen Philosophen zitiert und dieser Spruch passte gerade bestens: „Wenn man eine Dummheit begehen will, so sollte sie wenigstens gelingen!“ Natürlich praktizieren tagtäglich Leute Sex ohne grossartige Gefühle im Spiel zu haben. Aber ich war nicht der Typ. Bei mir musste immer eine Anziehung vorhanden sein, die Chemie musste stimmen. Sonst ging es einfach nicht – trotz Hormonschübe.

Und weiter ging’s mit Schampus. Ich wollte abschalten und merkte, dass ich mich immer mehr unter Druck setzte. Mittlerweile war ich ziemlich alkoholisiert und schwankte ganz leicht in seinen Armen. Jetzt war die Lage ernst. Entweder steigerte ich mich in etwas rein oder ich war einfach nicht ganz dicht. Beides ist der Fall, antwortete ich mir selber. Ich küsste ihn und versuchte meine Gedanken zu verdrängen. Vielleicht ging diese Taktik auf. Ich ignorierte mich selbst, sozusagen. Tatsächlich war der Alkohol in diesem Zusammenhang eine grosse Hilfe. Das einzig störende an der Situation waren meine unkontrollierten gekicherten Kommentare, die Ivan beim besten Willen nicht verstand. Ich übrigens auch nicht. Da ja Alkohol die Hemmung bekanntlich abschwächt, hoffte ich innigst, dass ich keine unüberlegten Aussagen von mir geben würde. So einen Ausspruch wie: „Gott sei Dank habe ich reichlich getrunken und bin halb besoffen - ich könnte sonst nicht mit dir schlafen!“ Horror.
Wir begannen uns gegenseitig auszuziehen und ich hörte, dass die Musik nicht mehr lief. Welche Playlist sollte ich nun wählen? Old School R&B oder eher einen Ibiza Chill House Mix? Ivan zog mich an sich und schaute mich durchdringend an – ich musste willkürlich grinsen – seine Nasenflügel zitterten vor Erregung. Er wollte mich nun gaaaaanz sinnlich anschauen, damit ich seiner Männlichkeit verfalle. Und es funktionierte absolut nicht. Er sah eher aus, als steckten irgendwelche Pfefferkörner in seiner Nase und er müsste in den nächsten Sekunden wie ein Ameisenbär los niesen. Brüller.

Tja, welche Musik wollte ich nun wieder hören? Am besten sollte ich mich jetzt drum kümmern dachte ich und stöhnte leicht auf. Ivan lag auf mir und ich bekam keine Luft mehr. Er war auch nicht der Leichteste, kein Wunder, er war ziemlich gross gewachsen und durchtrainiert. Das Sofa quietschte als wir uns hin- und herwälzten. Das war mir vorher eigentlich nie aufgefallen. Mmh, dann werde ich mal später nachschauen, ob da irgendwelche Schrauben locker sind. Tja, ehrlich gesagt, hätte ich nicht bei der Couch nachschauen sollen – sondern direkt bei mir. Was bastelte ich da gerade? Ich begann mich nun vor mich selbst zu schämen. Aber ich wollte mich doch einfach nur gehen lassen und endlich geniessen! Wenn es aber doch nicht funktioniert, meinte mein Gewissen. Willst du diesem Mann etwas vorspielen? Nein, das wollte ich nicht.

Ivan stöhnte mir ins Ohr und meinte: "Gott, du bist eine umwerfende Frau...ich werde dir den Verstand...“ Er war nicht mal mit dem Satz fertig, als ich mich abrupt von ihm löste und vom Sofa runterhüpfte. Ich konnte nicht mehr. Das war zu viel! Ivan schaute mich total schockiert an: "Hab ich irgendetwas Falsches gesagt oder getan? Was ist denn los?“ Mein Atem stockte und ich zögerte einen Moment. Ich musste nun meinen ganzen Mut zusammenkratzen. "Hör zu Ivan, es liegt nicht an dir. Ich bin’s, die hier nicht bei der Sache ist. Es tut mir leid, aber irgendwie kann ich heute nicht abschalten.“
Er schüttelte den Kopf „Ich versteh nicht ganz...“, und ich auch nicht, dachte ich für mich. „Lass uns eine Zigarette rauchen“, meinte ich gespielt gelassen. Er war offensichtlich mehr als verwundert und seine Falte zwischen seinen Brauen war nun klar ersichtlich. Jetzt war er definitiv wieder auf Mutter Erde gelandet und seine Hirnzellen begannen wieder zu funktionieren.   

Wir sassen uns gegenüber, er in seinen Boxershorts und ich in seinem weissen T-Shirt. Wir tranken beide wieder Champagner und schwiegen uns an. Es war nicht gerade eine heitere Stimmung zu verspüren, was unter den gegebenen Umständen auch nicht zu erwarten war. Ich atmete tief durch und lächelte ihn an.

„Ivan es tut mir leid, ich habe diese ganze Sache vermasselt. Es ist so, dass ich dich von Herzen mag und denke, dass du ein super Typ bist. Aber irgendwie fehlt mir der nötige Kick. Alles war so fixiert worden, der Abend und alles. Und irgendwie bin ich blockiert. Weiss der Geier wieso! Und ich bin keine Frau, die sich einfach so hinlegt und alles hinter sich bringt, nur um die Situation nicht kompliziert machen zu wollen. Und es tut mir wirklich sehr leid, dass es so weit gekommen ist. Ich hoffe, du bist mir nicht böse...“ Ivan schüttelte den Kopf und meinte lächelnd: “Das glaubt mir keiner. Eine solche Situation habe ich noch nie erlebt! Man kann nicht behaupten, dass es mit dir langweilig ist, meine Kleine.“ Er lächelte mich an: „Du sagst, es liegt nicht an mir und ich gebe dir Recht. Denn ich weiss, was ich einer Frau zu bieten habe. Und bis jetzt hat sich noch keine Lady bei mir beschwert...und glaub mir, du hast was verpasst ..."

Irgendwie war ich erleichtert. Ich atmete durch und entspannte mich ein wenig. Aber ich war doch erstaunt, dass er nicht eine Sekunde an sich zweifelte. Und logischerweise begann ich mich in Frage zu stellen. Wie konnte ich einen solchen Mann von der Bettkante schubsen? Ich überlegte kurz und gab's gerade wieder auf. Es ist so, wie es ist. Punkt. Ich grinste und meinte in einem Anflug von Humor: "Du hast recht, diese Geschichte wird uns eh niemand glauben! Noch ein wenig Champagner gefällig? Ich glaube, den brauchen wir jetzt beide dringend...!“