Konsequent... inkonsequent!

Konsequent... inkonsequent!

Wir hatten es uns im Garten gemütlich gemacht und ich hatte mich auf einen netten, wenn auch unspektakulären Abend mit den üblichen Gesichtern eingestellt. Doch dieses Mal sollte es anders kommen...!

Unsere Blicke trafen sich und mir stockte der Atem. Er hatte umwerfende graugrüne Augen, die mich frech und herausfordernd anblickten. Noch nie hatte ich erlebt, dass mir ein Mann sein Interesse so unmissverständlich preisgab. Eine Mischung aus Neugier und Empörung stieg in mir auf. Und während ich, um ein wenig Zeit zu gewinnen, vorgab etwas in meiner Handtasche zu suchen, überlegte ich angestrengt, wie ich diesem Möchtegern-Casanova aus dem Weg gehen könnte.

Es war August und ich war bei guten Freunden zum Abendessen eingeladen. Wir hatten es uns im Garten gemütlich gemacht und ich hatte mich auf einen netten, wenn auch unspektakulären Abend mit den üblichen Gesichtern eingestellt. Doch dieses Mal sollte es anders kommen. Er wurde uns als "Super-Dave" vorgestellt, und wie es hiess, war er ein sehr erfolgreicher Anwalt und hatte es bereits zu der beachtlichen Position innerhalb einer grossen Kanzlei gebracht. Strahlend und selbstsicher wollte Dave die Aussage, dass er erfolgreich in seinem Job war, auf keinen Fall relativieren. Ganz im Gegenteil - er bekräftigte dies mit irgendwelchen Lobliedern auf sein eigenes Können und das machte ihn für mich schon richtig unsympathisch. Seine Selbstgefälligkeit kannte keine Grenzen. Ich kann Menschen, die rumposaunen und sich rühmen nicht ausstehen. Eigenlob stinkt.

Und wie das Schicksal es eben so wollte, sass dieser "Babe-ich-bin-der-Knaller-Typ" ausgerechnet mir gegenüber. Während des ganzen Abendessens versuchte ich ihm irgendwie auszuweichen, denn er war einfach zu anstrengend. Aber diese Blicke, die er mir geheimnisvoll zuwarf, brachten meine Selbstsicherheit ins Wanken. Er hatte etwas Anziehendes an sich und ich stellte mir vor, was er mit seinen schönen Händen alles anstellen könnte... Nein, fuhr es mir durch den Kopf, das war sicher die Wirkung des Weines. Und vielleicht die klitzekleine Tatsache, dass ich sei längerem keinen Sex mehr gehabt hatte! Meine Fantasie drohte mit mir durchzugehen und so beschloss ich meine Erregung zu ignorieren und wollte mich ablenken - schliesslich waren wir Menschen doch die besten Verdrängungsmaschinen! Und wiederum schweifte mein Blick auf sein Gesicht und unsere Augen trafen sich - ich konnte mir nicht helfen. Was zum Geier war bloss mit mir los? Reiss dich zusammen!
Dave war der typische Sonnyboy, ein Frauenheld. Er war arrogant und hatte eine chronische Selbstdarstellungsneurose, die in einer übertrieben lässigen Redensart zum Ausdruck kam. Seine Gestik war schwungvoll und alles, was er erzählte war "Sensationell!", "Hammer!" oder einfach "Weltklasse!". Und was mich am meisten nervte, war seine Besserwisserei. Er wusste über alles Bescheid, hatte schon alles erlebt und kannte auf alle Fragen eine Antwort. Dieser Typ musste wohl die Weisheit schon als Kind mit dem Löffel gefressen haben. Ich war sprachlos, er war einfach unerträglich! Sein herablassendes Getue war nicht nur mir aufgefallen. Auch meine beste Freundin schüttelte lächelnd den Kopf und gab mir zu verstehen, dass Dave wohl mehrere Schrauben locker hatte. Manche Menschen sind so fokussiert ihr eigenes Ego zu füttern, dass sie nicht merken wie ihr Charakter jämmerlich verhungert...

Ich zündete mir eine Zigarette an und versuchte mich auf andere Gedanken zu bringen. Just in dem Augenblick zwinkerte mir Dave zu und mein Magen zuckte zusammen - ich merkte, wie mir langsam heiss wurde. Mist! Wo war meine unbeirrbare Selbstkontrolle geblieben? Scheinbar hatte Dave meine Reaktion richtig interpretiert, denn er grinste mich siegessicher an. Er gab mir mit einem leichten Nicken, gefolgt von einem Augenzwinkern zu verstehen, dass er wusste wie es um mich stand. Ich reagierte dagegen wie ein Mauerblümchen und stellte mich naiv - ich zuckte leicht mit meinen Schultern und schaute in fragend an, als hätte ich seine Andeutung überhaupt nicht verstanden. Kurz darauf verschwand ich in Richtung Haus. Ich musste nämlich schnellstens eine Pause einlegen. Ich wollte mich zurückziehen und meine Lage überdenken. OK, ich gebe zu, ich wollte abchecken, wie es um mein Aussehen stand. Spieglein, Spieglein an der Wand...so sind wir Frauen nun mal - ob wir untergehen, kämpfen oder gewinnen: gut aussehen wollen wir immer dabei!

Als ich im Bad war, atmete ich tief durch. Ich schaute mich im Spiegel an und lächelte. Ich musste zugeben, dieser Typ hatte es faustdick hinter den Ohren. Dave wusste genau, auf welche Taste er drücken musste, um das gewünschte Resultat zu erreichen. Irgendwie beeindruckte mich diese Tatsache - auf der anderen Seite nervte sie mich gewaltig. Das lag natürlich daran, dass er mich verunsicherte. Welche Frau gibt gerne die Kontrolle ab? Keine.

Ich verliess gerade das Bad und lief zielstrebig Richtung Garten, als ich im Halbdunkeln mit Dave zusammenstiess. Er lachte laut auf, während ich ihn innerlich verfluchte, denn ich hätte beinahe einen Herzstillstand erlitten. Ich hätte schwören können, dass er das ganz bewusst so arrangiert hatte. Arsch. "Hast du sie noch alle? ", meinte ich genervt. Er hatte seine Hände auf meine Hüften gelegt und ich konnte sein umwerfendes Parfum riechen. Wir schauten uns direkt in die Augen. Hilfe! SOS! Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Ich versuchte mich abzuwenden, doch Dave zog mich nun noch näher an sich heran. Meine Anstalten, mich aus seiner Umklammerung zu befreien, ignorierte er schmunzelnd und flötete stattdessen mit honigsüsser Stimme: "Hat denn mein Herzblatt Angst im Dunkeln und braucht einen starken Mann zum Geleit?"

Mein Herzblatt? Würg. Ich kann Spitznamen generell nicht ausstehen und vor allem nicht von Leuten, die überhaupt kein Recht dazu hatten. Das empfand ich als Eingriff in meine Privatsphäre. Idiot. Das wollte ich nicht auf mir sitzen lassen. Ich beugte mich vor, streifte leicht seine Wange und flüsterte ihm leise ins Ohr: "Lieber Dave, ich heisse Manuela und werde sensationell, weltklassemässig und ohne dich hinausgeleiten können. Ist das nicht Hammer?" Dann löste ich mich sachte von ihm los, lächelte ihn triumphierend an und kehrte ihm den Rücken. Dave war platt und folgte mir stumm in den Garten.
Als wir wieder am Tisch angelangt waren, schauten alle auf und kicherten vor sich hin. "Im Dunkeln ist gut Munkeln, was? Aber Gott sei Dank hat Dave einen ausgezeichneten Tastsinn!" Männliches Gegröle war zu hören. Ich verzichtete darauf etwas zu entgegnen, denn ich befürchtete noch blödere Sprüche anhören zu müssen. Nun sah Dave plötzlich aus, als wäre er der Gewinner dieser Runde. Schelmisch grinste er mich an und meinte mit theatralischem Unterton zu den andern: "Nun, wie ihr alle wisst: ein Gentleman geniesst und schweigt." Das war Provokation pur. Jetzt war ich aber richtig sauer. Nun, was unternimmt eine Frau in einer solchen Lage? Ganz einfach, eine Strategieänderung war angesagt. Ich hab auch meinen Stolz und dir werde ich es schon noch zeigen, dachte ich. Mich jagen zu wollen, ohne dass ich dir mein OK gegeben habe, na warte Bürschchen!

Somit begann ich ihn ganz gezielt zu ignorieren. Ich bezog ihn in keinerlei Gespräche mehr ein und schenkte ihm einfach null Beachtung. Ich sprach nur noch mit anderen Leuten am Tisch und überhörte dabei Dave's provozierende Zwischenrufe. Seine Lacher wurden daraufhin zusehends lauter und wenn er Witze erzählte, so wurden diese geradezu hinaus geplärrt.

Erleichtert merkte ich, wie ich die Situation langsam wieder in den Griff bekam. Ich lächelte entspannt und fühlte mich besser, denn ich hatte meine alte Form wiedergefunden – ich war wieder in meiner «Safety-Comfort-Zone» gelandet. Dave hatte das inzwischen auch mitgekriegt und versuchte nun das identische Spiel mit mir zu treiben: er beachtete mich ebenfalls nicht. Ich grinste innerlich - tja, er hätte seine Hausaufgaben früher erledigen müssen, mit mir legt sich keiner an. Jetzt musste er mit den Konsequenzen leben. Schliesslich war ich kein "leichtes Mädchen" oder ein hüpfendes Betthäschen, welches so einfach zu kriegen ist. Als weiterer Eroberungspokal im Regal seiner Weiber-Sammlung zu landen, das war weit unter meinem Niveau. Nein danke, ich verzichtete freiwillig! Bevor ich jemanden an mich ranlasse, muss dieser Mann auch beweisen, dass er es wert ist. Ich will umworben werden. Und Dave war es offensichtlich nicht gewöhnt, sich zu bemühen - nein, er war sich seiner Wirkung dem weiblichen Geschlecht gegenüber mehr als nur sicher. Somit hatte er bei mir nicht den leisesten Wink einer Chance. Thema abgeschlossen. Pech für ihn!

Leute, dies war einer der wildesten und berauschendsten Nächte, die ich je erlebt hatte. Wir hatten uns förmlich die Kleider vom Leib gerissen und uns stürmisch der Leidenschaft hingegeben. Dave war unglaublich. Ich sage nur: Sensationell, Weltklasse, Hammer!