Traummann gesucht!

Traummann gesucht!

Aschenputtel, Dornröschen und Schneewittchen haben eins gemeinsam: sie alle haben ihren geliebten Traumprinzen gefunden. Meistens haben diese Helden noch für die Gunst der holden Dame gegen Drachen, Hexen oder sonstigen Widrigkeiten beherzt gekämpft. Wie sieht es in der echten Welt aus?

„Wie soll euer Traummann sein?“, fragte Monika und liess den Zigarettenrauch genüsslich in die Lüfte aufschweben. „Was ist euch bei einem Mann wichtig? Ihr müsst wissen, dass ich mich demnächst in ein Kloster einweisen werde, wenn sich mein Liebesleben nicht schnell ändert! Ich drehe langsam durch und bin regelrecht verzweifelt. Anfangs sind sie ja alle nett, aufmerksam und interessant, aber dann ist der Ofen schon bald wieder aus. Ich glaube ich habe ein schlechtes Karma. Irgend jemand hat mir in einem anderen Leben einen Fluch angehängt. So viel Pech in Sachen Liebe kann doch kein Zufall sein!“. Sie schüttelte heftig ihren Kopf und blickte betrübt in die Runde. 

Der übliche Frauenabend zu viert war angesagt und wir sassen gemütlich beim Aperitif. Wir genossen den Abend und wollten nur entspannen. Aber scheinbar wollte uns Monika wieder auf das Thema Traummann lenken. Monika war diejenige, die einen Riesendrang hatte, sich einen neuen Mann zu angeln. Sie war nonstop auf der Suche nach ihrer Dualseele, wie sie immer zu sagen pflegte. Sie interessierte sich für Esoterik und übersinnliche Aktivitäten. Auch Astrologie war bei ihr nicht wegzudenken – bei jeder neuen Bekanntschaft wurde dies natürlich ausgiebig diskutiert und analysiert. Sie war eine leicht frivole Natur, war stets schlagfertig und konnte selten ihr freches Mundwerk halten. Ich denke, sie machte vielen Männern Angst, denn sie pflegte stets ihre Gedanken unverblümt auszusprechen. Ihre direkte Kommunikationsart war ihr schon mehrmals zum Verhängnis geworden. Wenn man aber diese Schutzmauer durchschaut hatte, war sie eine warmherzige, gerechtigkeitsempfindende und leidenschaftliche Frau – mit einem riesigen Knall in der Schüssel.
Kathrin hingegen war das komplette Gegenteil von Monika - und von uns allen. Sie war ein enorm rational denkender und handelnder Mensch. Sie analysierte jede Sachlage, als sei es eine buchhalterische Aufgabe. Für sie gab es nur Schwarz oder Weiss – eine Grauzone wollte sie auf keinen Fall akzeptieren. Auch war sie eine disziplinierte und strenge Person und in ihrer Arbeit sehr erfolgreich. Sie strahlte nicht gerade viel Wärme und Sympathie aus, aber wenn man sie kannte, wusste man, dass man in ihr eine loyale und zuverlässige Freundin gefunden hatte. Sie war im Übrigen die einzige von uns vier Frauen, die in einer Beziehung lebte. Und diese Partnerschaft pflegte sie bereits seit Jahren. Sie nahm gerne die Mutterrolle bei unseren Gesprächen ein, denn sie war ein Mensch mit Prinzipien und Regeln und wollte uns auf ihre Art den Weg zeigen - was nicht immer auf offene Ohren stiess. Für unsere Begriffe war sie viel zu festgefahren und von Frau-Sein war hier nicht viel zu spüren. Deshalb animierten wir sie, etwas lockerer und spontaner zu werden. Aber sie tat sich schwer mit diesen Vorschlägen. Kathrin war von unserer Runde nicht wegzudenken – wir brauchten sie als Ausgleich. 

Dann war noch Denise. Sie war unser Nesthäkchen und meldete sich so gut wie nie zu Wort. Lange Reden verabscheute sie. Ihre Ansichten gab sie in kurzen, fast stichwortartigen Aussagen bekannt. Sie verpackte vieles auch in zynischen Sätzen, um ihr Unverständnis preiszugeben. Sie war eine kleinere, filigrane Person und verhielt sich immer sehr zurückhaltend. Auf keinen Fall liebte sie es im Mittelpunkt zu stehen. Sie wusste, dass man ihr ihre Unsicherheit ansah und versuchte es mit einer gewissen Coolness zu verbergen. Ihr Verstand war sachlich und klar – ausser es wurde über ihre eigene Problematik gesprochen. Dann konnte sie durchaus ihre impulsive Seite zeigen. Auch sie war Single – hatte aber als letztes eine kurze heftige Liebesgeschichte mit einer Frau erlebt. Sie ist sich nun sicher, dass Frauen besser lieben können als Männer – dies aber nur auf der intellektuellen und geistigen Ebene. Im sexuellen Bereich war sie eindeutig von Männern angezogen. Dieser Spagat hatte sie noch nicht so richtig verdaut. 

„Ist ja klar, dass man die Gründe immer im Äusseren sucht!“, kläffte unser Moralapostel Kathrin. „Von wegen schlechtes Karma und so ein Mist! Wäre ja super leicht die Schuld einem anderen Leben in die Schuhe zu schieben. Ist wieder typisch für dich! Dieser Esoterik Kram solltest du endlich einmal sein lassen – immer mit diesen dämlichen Sternzeichen und Aszendenten! Du solltest dir lieber Gedanken machen, was bei dir nicht stimmt und weshalb du immer wieder auf die gleichen Typen reinfällst. Von wegen Pech. Du hast bloss keinen Bock auf Selbstanalyse und suchst dir bewusst den falschen Mann aus.“ Nun war Monika leicht sauer. Ihre Körperhaltung war ein wenig steifer geworden, schliesslich war sie es sich nicht gewöhnt kritisiert zu werden – vor allem nicht von Kathrin. Zwei Drachen hatten sich zum Duell aufgefordert und fauchten sich an.

„Und weshalb, liebe Frau Doktor Sommer, sollte ich bewusst die falschen Männer anziehen? Mmh?“, ihre Nasenflügel flatterten ein wenig. „Ist doch offensichtlich!“, Kathrins Augen blitzten sie belustigt an. Sie liebte solche Auftritte und Diskussionen.

„Du verliebst und entliebst dich sehr schnell und das sind nur oberflächliche Gefühlsregungen. Du suchst dir den Zustand der Teenager-Zeit aus – hüpfst dann auf den rosa Wölkchen umher und projizierst alle möglichen Traum-Attribute in diesen Mann hinein. Auch sind das normalerweise Männer, die du dann super gut unter Kontrolle behalten kannst. Weil du eben nicht emotional mit ihnen verbunden bist. Deshalb kannst du sie dann wieder schnell und vor allem schmerzlos abblitzen lassen. Und somit ist wohl klar, weshalb du eine so hohe Kennerlern-Quote zu verzeichnen hast, wie keine andere hier. Das führt dazu, dass du zwar unheimlich viele Männer triffst – aber du könntest gerade so gut Stricken oder deine Nägel lackieren, das Resultat ist dasselbe. Du bleibst am Ende immer alleine. Also, meine Liebe”, fuhr sie bestimmt weiter: „Für mich ist die Sachlage sehr klar: du willst dich nicht wirklich in einen Mann verlieben, weil du Bindungsängste hast und du nicht für eine Beziehung bereit bist!“. Triumphierend blickte Kathrin in die Runde. Bingo. 

Nun waren alle ruhig und dachten über die Ausführung von Kathrin nach. Dazu kam, dass man nie genau wusste, wie die schwer bombardierte Monika in den nächsten Augenblicken reagieren würde. Also zogen es wir vor, ruhig zu bleiben und abzuwarten. Wenn zwei Drachen sich treffen, muss man äusserst vorsichtig sein, man kann sich mit einem falschen Kommentar ziemlich die Finger verbrennen. 
Und da Kathrin sah, dass wir keine Anstalten machten, die Diskussion – oder eher ihr Monolog zu kommentieren, fuhr sie mit ihrer Analyse fort. Diese galt dann für uns alle.

 “Und dann kommt noch ein, für mich zumindest, wesentlicher Faktor hinzu. Seid ihr nie auf die Idee gekommen, dass ihr einfach zu hohe Ansprüche habt? Ich meine, ihr habt so eigenartige Vorstellungen und Anforderungen an einen Mann. Die sind viel zu abgehoben! Es gibt keinen perfekten Mann – das könnt ihr mir glauben!“. Sie hob beide Hände gleichzeitig und liess sie wieder fallen, als Zeichen des Unverständnisses. Dabei konnte ein tiefer Seufzer natürlich nicht fehlen. Drama. Kathrin wusste wovon sie sprach. Sie war die einzige, die seit mehreren Jahren eine gut funktionierende Beziehung führte. Mit einem, wie sie zu sagen pflegte, normalen Mann (!).

„Ich versteh euch Singles nicht, weshalb könnt ihr nicht jemanden finden, den ihr gerne habt, der zuverlässig ist und nicht zu viele Flausen im Kopf hat? Jemand, der einfach da ist?”.
Ich gähnte gespielt und lächelte ironisch zu Kathrin hinüber: “Mann, Kathrin, das ist ja eine schauerliche Vorstellung – Sex einmal in der Woche, aber vorher bitte Duschen oder was? Vielleicht wäre dann das Vorspiel eine lustige Diskussionsrunde im Bett? Oder Eile mit Weile? Um dann in zwei Minuten die Pflichtübung durchzuziehen, sich dann auf die Stirn zu küssen und dann seitlich eingerollt einzuschlafen?“. „Und dann noch zuverlässig? Das ist einer, der immer die Post täglich durchgeht, zeitgerecht die Steuern bezahlt und seine Zähne exakt drei Minuten putzt, weil ihm dies sein Zahnarzt aufgetragen hat. Wo bleibt der leidenschaftliche, unberechenbare und wilde Mann? Soll das nur ein Traum bleiben? Muss ich denn auf solche Erlebnisse verzichten?". Ich musterte Kathrin aufmerksam und erwartete eine Antwort.

Aber da meldete sich tatsächlich Denise zu Wort. Sie verzog keine Miene und meinte gelassen: “Scheinbar ist Leidenschaft in einer Beziehung zu einem Mann nicht möglich. Oder anders ausgedrückt – die heissen Nächte kannst du langfristig nur in einer Affäre erleben. Traurig – aber ist so.” Ich runzelte die Stirn: „Ich will nicht glauben, dass ich austrocknen und hungern muss, nur weil ich einen sogenannten normalen Mann an meiner Seite haben muss! Himmel, da habe ich lieber eine intensive Ehe mit meinem Vibrator und lebe so, ohne schlechtes Gewissen, mein Single Leben!”.

“Nun hör mir genau zu, mein Schatz”, meinte Kathrin in einem süsslichen, leicht ironischen Tonfall: “Du bist nicht mehr dreissig und dein Vibrator kann doch unmöglich dein steter Begleiter im Leben sein...“. Grinsend unterbrach ich sie: „Klar, wenn man an die Kosten der Batterien denkt! Und Sex ist eine so persönliche Sache! Warum mit jemanden teilen?", ich lächelte verschmitzt. „Sehr witzig!“, sie verdrehte wieder einmal ihre Augen und fuhr unbeirrt fort: “Denk an Zweisamkeit, gute und intensive Gespräche. Der Intellekt, meine Liebe, der Intellekt ist das, was uns bleibt! Der Körper ist nur eine zeitlang aktuell und dann merkst du, dass du dich nur auf einer geistigen Ebene finden und eine Einheit bilden kannst! Schliesslich werden wir alle einmal alt und unser Körper wird dann nicht mehr das Objekt der Begierde sein! Was uns dann bleibt ist der geistige und mentale Bereich. Eine intensive Verschmelzung auf dieser Ebene währt ewig!”. 

Ich konnte es nicht glauben, dass eine knapp dreissigjährige Frau so etwas von sich geben konnte. Wo waren eigentlich ihre fraulichen sexuellen Wünsche geblieben – in der Besenkammer neben dem Staubsauger?

„Da hätte ich geradeso gut mit Madeleine zusammen bleiben können...von wegen nur Intellekt und geistiges Zeugs...“, murmelte Denise beiläufig und lehnte sich wieder zurück. Man konnte spüren, dass sie die liebe Kathrin direkt zum Mars hätte katapultieren können. Seit sie diese Frauengeschichte erlebt hatte, war sie auf solche Ausführungen nicht mehr so gut anzusprechen. Sie war immer noch verwirrt. Wir warteten ab, ob sie noch etwas anfügen wollte, aber wie üblich hatte sie sich wieder in sich zurückgezogen und war offensichtlich am Grübeln.

Mittlerweile hatte Monika ihre Fassung wiedergefunden und war wieder voller Tatendrang. “Die intellektuelle Ebene, ma chère, mag für dich ja das einzig Richtige sein, aber für mich nicht! Ohne körperliche Reibungen ist das Leben einsam und kalt. Wie siehst du es, Manuela?”, fragte mich Monika und blickte mich auffordernd an. “Ich finde er muss einfach ein geiler Hengst im Bett sein!“ Die Fassungslosigkeit stand Kathrin im Gesicht geschrieben. Versteinert starrte sie mich an. Wir mussten schallend lachen. Es war allen klar, dass ich diese Aussage bloss als Provokation in die Runde geworfen hatte. 

Lachen kann sehr entspannend sein und so waren wir alle – sogar Kathrin - wieder gelassener. Monika wollte es aber doch noch wissen: „Erzähl Bella, was ist bei dir in Sachen Männer los?“. Ich winkte ab und seufzte: „Ich habe momentan eher ein innigeres Verhältnis mit meinen Pflanzen – die hören mir wenigstens zu und widersprechen nicht!“ 

Monika runzelte die Stirn und entgegnete mit ernster Miene: „Ich habe dir doch schon lange gesagt, dass du dich bei Madame Mimi anmelden sollst! Die kann genial Karten legen und ist in Sachen Ratschläge einfach eine Eins! Auch könnte sie dir sicher gute Tipps betreffend deiner Dualseele geben - und so hättest du wenigstens einen Anhaltspunkt für die Suche. Also, mir hat sie unheimlich geholfen!“.
Ich hätte es voraussagen können und dies ohne Karten zu legen, dass Kathrin zu dieser Aussage ihren Senf abgeben musste. Und blitzschnell schleuderte sie ihren Kommentar zu Monika hinüber: „Oh ja, das sieht man, wie sie dir geholfen hat! Seit du bei dieser Spinnerin ein- und ausgehst, bist du nicht mehr zu retten. Du siehst überall Karma-Verstrickungen und redest dauernd von irgendwelchen kosmischen Energien, die da zwischen uns schweben sollten. Das Absurdeste an der ganzen Geschichte ist, dass du noch Geld für einen solchen Schwachsinn ausgibst!“.

Monika wollte gerade wieder zurückschiessen, aber ich unterbrach diese Diskussion, wohlwissend, dass die beiden nie im Leben auf einen Nenner kommen würden. Eigentlich gab ich Kathrin recht, dass Monika sich zu fest an diesen medialen und geistigen Dingen festhielt. Dennoch war Monika eine intelligente Frau, die genau wusste, dass sie diese geistigen Aktivitäten nur ausübte, um sich besser verstehen zu können. Sie war auf der Suche – nicht nach einem Traummann – sie suchte sich selbst.
„Lassen wir diese Madame Mimi beiseite, Monika. Sonst sitzen wir morgen noch hier! Diese Diskussion ist eh nutzlos und bringt uns allen nichts.“ Ich schmunzelte zu ihr rüber und sie nickte. 

„Zugegeben, ich befinde mich in einer Notlage“ fuhr ich fort. "Dies zumindest körperlich gesehen. Ich merke, dass mir die Wärme fehlt, versteht ihr?“. "Kauf dir doch ein Heizkissen!“, unterbrach mich Kathrin sarkastisch. „Sehr witzig!“ entgegnete ich ihr lächelnd – das war die Quittung von vorhin. „Ich kann doch nicht einfach einen Mann aus der Tasche zaubern!“. Und wieder kam ein Kommentar von Kathrin angeflogen: “Tja, gemäss Madame Mimi sollte es ja kein Problem sein! Schließlich weiß sie was Magie ist, nicht wahr! Vielleicht sieht sie dann deinen Prinzen samt Schimmel in ihrer wunderschönen Kristallkugel!“. Zähneknirschend meinte Monika: “Kannst du bitte aufhören, dich dauernd über mich lustig zu machen? Ich kritisiere ja auch nicht dein super organisiertes Leben! Wenn du nämlich dein Handy oder deine Agenda nicht mehr hast, weißt du sehrwahrscheinlich nicht mal mehr, wo du wohnst!"

Nun war das komplette Chaos am Tisch ausgebrochen und es wurde ziemlich hektisch. Diese Zwei konnten es nicht lassen. „Oder findest du es normal, dass man mit dem Freund einen exakten Reinigungsplan der Wohnung aufstellt und diesen dann am Kühlschrank hängen hat? Das muss für euch super aufregend sein! Er wird sicher sehr angetörnt sein und dich dann mit Leidenschaft ins Schlafzimmer tragen, nachdem er pünktlich den Abfallsack hinausgetragen hat, nicht wahr?“, säuselte sie giftig.

Kathrin regte sich sichtlich auf und entgegnete scharf: “Wenigstens habe ich noch guten Sex, mit einem Partner, der mich genau kennt und auch um meine Vorlieben weiß! Bei dir geht’s doch immer noch ums Ausprobieren und Testen! Wenn du Glück hast bekommst du noch einen Orgasmus bei einem One-Night-Stand – und sonst kannst du ja wunderbar einen vortäuschen, nicht? Dann lieber einen zuverlässigen Partner, der konstant seine Leistungen im Bett bringt.“ Monika lachte laut auf: „Zuverlässiger Partner mit konstanter Leistung? Das klingt ja, als würdest du gerade einen Bausparvertrag abschließen! Wann hast du vor zu leben? Wenn du siebzig Jahre alt bist?".
Nun wurde es Denise zu bunt und reagierte ziemlich wirsch: „So, meine zwei Hexen, wenn ihr so weitermacht, schenke ich euch je einen Besen, damit ihr euch in die Lüfte erheben könnt und endlich wieder Ruhe an diesem Tisch herrscht! Merkt ihr nicht, dass ihr nie im Leben die gleiche Einstellung habt? Jeder von uns hat eine ganz eigene Vorstellung, wie ein Mann sein muss! Diese Diskussionen betreffend diesen dämlichen Prinzen finden eh kein Ende. Ist also eine unendliche Geschichte – aber austauschen können wir uns doch in einem normalen Ton, oder? Also, könnt ihr bitte mal den Rand halten? Manuela war eigentlich was am erzählen." Sie blickte mich an und nickte auffordernd. Verblüfft schauten wir aus der Wäsche. Denise hatte tatsächlich mehr als zwei Sätze gesprochen. 
„Ich würde gerne wieder Kuscheln und Wärme empfinden“, ich schaute Kathrin an, sie schien dieses Mal nichts einwenden zu wollen. Kein Wunder nach der Abreibung von Denise. „Aber ich nehme doch nicht jeden Dahergelaufenen, um einfach diese Leere zu füllen. Es müsste richtig funken. Und das kann ich nicht steuern.“

„O.K., das wissen wir alle, aber wie soll dieser Mann denn genau sein?“ Himmel, Monika wollte es aber wirklich genau wissen. Ich überlegte kurz und musste konstatieren, dass mich dieses Thema langsam langweilte. Schließlich sind alle Wünsche und Vorstellungen betreffend einen Traummann überflüssig. Denn, wenn es wirklich funkt und die Chemie stimmt, ist es piepegal, ob er den gewünschten Anforderungen gerecht wird oder nicht. Es stimmt dann einfach. So simpel ist die ganze Geschichte. 
Ich grinste:“ Eigentlich wünsche ich mir einen Mann, der einfach Mann ist!“ Ein leises Kichern ging durch die Runde. "Ihr denkt, das ist ein absurder Spruch? Doch wie auch schon Grönemeyer sehr treffend gesungen hat „Wann ist ein Mann ein Mann?“. Diese Frage wird wohl ewig für Diskussionen sorgen – auch bei Männern. Die ja keine sind - oder vielleicht doch? Nur, dass wir sie vielleicht gerne anders hätten. Tja, und dann wär’s eigentlich wieder unser Problem – von uns Frauen. Eine unendliche Geschichte der Missverständnisse und der ewigen Erklärungen und Rechtfertigungen zwischen Männchen und Weibchen.“ Ich liebte es Verwirrung zu stiften. 

Monika grinste: „Wisst ihr, ich habe in den letzten Monaten viele Männer kennen gelernt. Quantität ist halt keine Qualität. Und ob du, Kathrin, nun recht hast oder nicht mit deiner Argumentation, ich brauche eine Änderung in meinem Dasein. Vielleicht müsste ich ins Ausland gehen und dort nach meinem Traummann Ausschau halten!“

„Sehr einfach gelöst meine Liebe! Und wieder typisch! Wegrennen ist auch keine Lösung, schließlich hat es überall auf dieser Welt Idioten“, kommentierte Kathrin die Aussage von Monika. „Aber ich werde euch jetzt vor einer weiteren Ausführung schonen.“ Ein kaum merkbares Aufatmen ging durch die Runde. “Ich muss nämlich aufbrechen. Markus wird schon zu Hause sein.“ Monika konnte ihr freches Mundwerk wieder nicht zügeln: “Wieso, kann er sich das Abendbrot nicht selber herrichten? Ich dachte normale und gezähmte Männer können das!“ und grinste Kathrin belustigt an. „Ich habe wenigstens einen Mann zu Hause!“, kam die Antwort wie aus der Kanone geschossen. „Und ihr Lieben könnt ja weiterhin auf euren Super Traumprinzen warten!“ Und weg war sie.

Wir beschlossen an diesem Abend das Thema Traummann definitiv auf das nächste Treffen zu verschieben. Denn ohne Kathrin machte es weitaus weniger Spaß. Schließlich wussten wir alle, dass sich der Traumprinz im richtigen Moment zeigen würde. Das Timing konnten wir eh nicht bestimmen. Man kann den Traummann nicht suchen – nur finden!